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Freitag, 04. Oktober 2019

BEWÄHRUNGSCHANCE AUF HÖCHSTER EBENE HANDBALL

Die Nationalliga A war Ziel und Traum des Willisauers Jan Peter seit er mit dem Handballspielen begann. Nun hat er das Ziel erreicht. Aus dem Traum wird Realität. Der 24-Jährige hat beim HSC Suhr Aarau einen Vertrag bis zum Ende der laufenden Saison unterschrieben.

von Patrik Birrer

«Im Sport kann es manchmal schnell gehen.» Eine von zahlreichen und oft strapazierten Phrasen trifft die aktuelle Situation des Willisauers Jan Peter punktgenau: Begonnen hat der 24-Jährige die Saison Ende August mit dem HV Olten in der 1. Liga. Seit der Spielzeit 2016/17 lief der Willisauer für die Solothurner auf. Im vergangenen Mai verpassten er und seine Teamkollegen den Aufstieg in die Nationalliga B nur knapp. Nun wollten sie alle gemeinsam einen neuen Anlauf nehmen, an die erfolgreiche letzte Saison anknüpfen. Gekommen ist alles ganz anders.

Der Ruf des Partnervereins

Am 7. September spielte Peter zusammen mit dem HV Olten auswärts bei Handball Emmen. Der linke Flügel erzielte neun Tore, konnte die 35:39-Niederlage aber nicht verhindern. Bei Spielschluss deutete noch nichts auf die besonderen Geschehnisse der folgenden Stunden hin. Tags darauf klingelte das Telefon von Jan Peter. Am Apparat war Michael Conde. Er ist Sportchef des HSC Suhr Aarau. Und Conde redete nicht lange um den heissen Brei herum: Er fragte, ob sich der Willisauer einen Wechsel in die Nationalliga A vorstellen könne. «Im ersten Moment war ich schon ein bisschen baff», erklärt Peter. Es bis in die höchste Schweizer Spielklasse zu schaffen, sei zwar immer ein Ziel von ihm gewesen. «Aber in diesem Moment kam die Anfrage doch sehr überraschend.» Nach einem weiteren Gespräch mit Cheftrainer Misha Kaufmann war für Jan Peter klar: Diese Chance will er nutzen. «Es hätte mich womöglich ewig gereut, wenn ich diese Gelegenheit abgelehnt hätte.» Ganz leicht fiel ihm die Zusage zum Wechsel aber nicht. «Wir haben in Olten ein super Team und in der jüngeren Vergangenheit eine enorm positive Entwicklung durchgemacht.» Die Mannschaft nach nur zwei Partien in der neuen Saison zu verlassen, sei alles andere als einfach gewesen. Zumal Peter bei den Oltnern Captain, Leistungsträger und Topskorer war. «Mein Entscheid ist bei Verantwortlichen und Teamkollegen aber auf viel Verständnis gestossen.» Zur reibungslosen Abwicklung des Transfers trug auch die Konstellation bei, dass der HV Olten und der HSC Suhr Aarau Partnervereine sind.

Über 200 Tore in einer Saison

Für Jan Peter ist der Wechsel zum HSC Suhr Aarau eine Rückkehr. Im Juniorenalter spielte er bereits fünf Jahre für die Aargauer und feierte dabei grosse Erfolge. «Ich kenne den Verein bestens und freue mich riesig auf die Herausforderung.» Jan Peter hat sich den Transfer in die höchste Schweizer Spielklasse mit beeindruckenden Leistungen in der jüngsten Vergangenheit verdient. In der letzten Saison erzielte er bemerkenswerte 221 Tore. Gleichwohl brauchte es zur Realisierung seines Traums besondere Umstände. Zum einen tritt Julius Voeklin im Januar 2020 die Rekrutenschule an und zum anderen zog sich Andri Kähr einen Kreuzbandriss zu und fällt monatelange aus. Auf dem linken Flügel zeichnete sich beim HSC Suhr Aarau deshalb ein Personalengpass ab. Um diesen abzufedern, bemühten sich die Aargauer um die sofortige Verpflichtung von Jan Peter.

Veränderungen auch im Beruf

Nun ist dieser seit gut drei Wochen Teil des NLA-Teams von Suhr Aarau. Eine Umstellung sei es schon gewesen, doch er habe sich schnell gut zurechtgefunden. «Schon im Verlauf der letzten Saison habe ich einige Trainings mit dem Team gemacht. Nun bin ich fix dabei. Das ist genial.» Bis zu zehn Trainingseinheiten pro Woche absolvieren die Spieler des HSC Suhr Aarau. Aufgrund seines 100-Prozent-Pensums als Leistungsspezialist bei der Concordia in Luzern verpasst Jan Peter die Trainings tagsüber, kann nur abends vor Ort sein. Keine ideale Situation zwar, «aber das ist mit den Verantwortlichen so abgesprochen.» Doch nicht nur sportlich, sondern auch beruflich stehen bei Jan Peter in nächster Zeit Veränderungen an. Per Ende Jahr hat er seine aktuelle Arbeitsstelle gekündigt, um sich optimal auf das angestrebte Sport-Management-Studium vorzubereiten. Dieses möchte er im September 2020 in Angriff nehmen.

Im Team des HSC Suhr Aarau ist Jan Peter als Backup für den nominell ersten linken Flügel Timothy Reichmuth vorgesehen. «Ich kenne meine Rolle und tue alles dafür, um bereit zu sein, wenn meine Chance kommt.» Zweimal stand er bereits im Aufgebot des NLA-Vereins. Beim 30:22-Sieg im 1/16-Final des Schweizer Cups gegen den 1.-Ligisten Herzogenbuchsee erzielte der Willisauer gleich seine ersten beiden Tore für den neuen Club. Und am vergangenen Samstag schnupperte Jan Peter erstmals als Aktiver NLA-Luft. Auswärts gegen Wacker Thun (23:26-Niederlage) kam er allerdings nicht zum Einsatz. Noch nicht. «Ich habe nun eine neue Rolle, muss zunächst etwas hinten anstehen», weiss Peter. Ungeduldig ist er nicht. Die Saison in der Nationalliga A ist lang und sein Debüt auf höchster Stufe wird kommen. Vielleicht schon am kommenden Mittwoch (20 Uhr, Schachen, Aarau) wenn der HSC Suhr Aarau im Derby auf den TV Endingen trifft. Wenn Jan Peter in den vergangenen Tagen etwas gelernt hat, dann das: «Im Sport kann es manchmal schnell gehen.

 

EINE WUNDERBARE SACHE FÜR UNSEREN VEREIN

Mit grosser Freude haben die Verantwortlichen von Jan Peters Stammverein, dem STV Willisau, auf dessen Transfer in die höchste Schweizer Spielklasse (siehe Haupttext) reagiert. «Er hat sich diese Chance mit seiner Akribie und seiner Disziplin mehr als verdient», hält Erich Albisser, Chef der Handballabteilung beim STV Willisau, fest. Jan Peters Ehrgeiz habe ihn seit seiner Jugend ausgezeichnet. «Er ordnet seit Jahren alles dem Sport unter. Dafür wurde er jetzt belohnt. Alle im Verein gönnen ihm das.»

Jan Peter auf den Spuren von Jan Peter und Philipp Mehr

Jan Peter ist keineswegs der erste Handballer des STV Willisau, der den Sprung in die Nationalliga A schafft. Kurios: Er ist nicht einmal der erste mit diesem Namen. Schon in der Saison 2001/02 lief der «erste» Jan Peter aus Willisau für den TV Zofingen in der höchsten Spielklasse auf. Philipp Mehr (2005/06 mit der damaligen SG Zentralschweiz und 2007/08 mit dem HC Kriens) sowie Svenja Bucheli-Wey (2005 bis 2009 mit Spono Nottwil respektive Borba Luzern) und schliesslich Vera Kreiliger (2008 bis 2011 mit Spono Nottwil) setzten diese bemerkenswerte Reihe fort. Ebenfalls erstaunlich: Alle diese Spielerinnen und Spieler kamen auf der Flügelposition zum Einsatz.

Seinem Stammclub noch immer sehr verbunden

Obwohl Jan Peter den STV Willisau schon in jungen Jahren verliess, ist er immer in engem Kontakt mit seinem Stammclub geblieben. Bis vor zwei Jahren unterstützte er das Willisauer Fanionteam dank einer Doppellizenz wenn immer möglich aktiv auf dem Feld. Aufgrund der Altersbeschränkung bis 23 Jahre für die Vergabe von Doppellizenzen war die zuletzt aber nicht mehr möglich.

Doch Jan Peter engagiert sich trotz seines hohen Aufwands zuletzt beim HV Olten und nun beim HSC Suhr Aarau auch abseits des Platzes für den STV Willisau. Seit 2016 ist er als Jugendverantwortlicher Teil der Handballleitung. Apropos Jugend: Auf die Arbeit in diesem Bereich dürften alle Trainer und der gesamte Verein stolz sein, sagt Erich Albisser. «Mit Jan Peter einen weiteren NLA-Spieler hervorgebracht zu haben, spricht für unsere hervorragende Nachwuchs-Abteilung!