Aktuell

Donnerstag, 18. Juni 2020

Start in eine spezielle Saison

Leichtathletik / Saisonstart

Früher als erhofft, geht es in der Leichtathletik schrittweise Richtung Normalität. Seit dem 6. Juni sind in der Schweiz sowohl kleine Wettkämpfe als auch Trainings in grossen Gruppen wieder erlaubt.

Die Hoffnungen der Leichtathletikfans wurden erfüllt. Die am 6. Juni eingetretenen Lockerungen bezüglich Massnahmen im Kampf gegen Corona erlauben es, dass in der Schweiz wieder kleine Wettkämpfe durchgeführt werden dürfen. Dabei müssen die geltenden Schutzkonzepte sowie die Obergrenze von 300 anwesenden Personen eingehalten werden. Für die Veranstalter heisst dies, dass die Wettkämpfe momentan nur im kleinen Rahmen und ohne Zuschauer ausgetragen werden können. Dennoch ist dies ein grosser Schritt Richtung Normalität. Die Aktiv-Schweizermeisterschaften, die ursprünglich am 26. und 27. Juni in Bellinzona hätten stattfinden sollen, wurden neu terminiert. Wie im Vorjahr finden die nationalen Titelkämpfe in Basel statt. Neues Datum ist der 11. und 12. September. Die Schweizermeisterschaften dürften für viele Leichtathleten den Saisonhöhepunkt einer ganz speziellen Saison bilden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch unklar, wie viele Athleten daran teilnehmen dürfen und ob Publikum zugelassen sein wird. Nachgeholt werden hingegen die Schweizermeisterschaften über 10'000 m/ Steeple und im Crosslauf.  Die Titelkämpfe im Geländelauf finden am 15. November in Regensdorf statt, die SM über 10'000 m/ Steeple bereits am 26. Juni in Uster. Auch Nachwuchsathleten sollen die Chance erhalten, sich im Wettkampf zu messen. Deshalb wurde die «Swiss Athletics Junior Challenge» lanciert. Lizenzierte Angehörige der Altersklasse U10 bis U18 absolvieren im Rahmen des Vereinstrainings Wettkämpfe. Die erzielten Leistungen fliessen als nicht homologierte Resultate in die Online-Bestenliste ein, dienen aber dennoch als Qualifikationsmöglichkeit für die Nachwuchsschweizermeisterschaften von anfangs September.

Der Aufwand hat sich gelohnt

Auch die Vereine profitieren von den Lockerungen. Seit dem 6. Juni dürfen auch sie wieder in grossen Gruppen trainieren. Die bis anhin bestehende Regel, dass höchstens fünf Personen gemeinsam trainieren dürfen, wurde aufgehoben. Nach wie vor gilt es aber, die geltenden Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) auch im Trainingsalltag einzuhalten. Als einer von wenigen Vereinen der Region hat der STV Willisau in den vergangenen Wochen in Kleingruppen trainiert. Andreas Meyer, Chef Leichtathletik, zieht ein positives Fazit. «Wir sind der Meinung, dass wir das Schutzkonzept gut umsetzen konnten. Sowohl die Trainer als auch die Athleten haben die Regeln vorbildlich umgesetzt. Die Athleten zeigten sich sehr dankbar darüber, dass sie wieder gemeinsam ihrer Lieblingssportart nachgehen konnten.» Vorwiegend wurde in den 4er Gruppen in den Bereichen Sprint und Lauftechnik gearbeitet. «Die Trainings in so kleinen Gruppen waren sehr intensiv und ermöglichten es, gut auf die einzelnen Athleten einzugehen. Die Athleten waren top motiviert und zeigten sich in guter Form», so Andreas Meyer. Obwohl die Umsetzung des Konzeptes sowie die Gruppenbildung und Planung einen gewissen Aufwand erforderte, hat sich dieser gelohnt. «Nachdem wir bis Mitte Juni an der Basis gearbeitet haben, kann das Training nun intensiviert werden. Nun dürfen wir wieder dreimal wöchentlich mit allen Athleten sowie in grösseren Gruppen auf der Rundbahn trainieren. Die Abstandsregel sollte aber weiterhin so gut wie möglich eingehalten werden, was sicher die grösste Herausforderung darstellen dürfte.» Bezüglich Wettkämpfe ist noch unklar, wo die Nachwuchsathleten starten können. «Wir beraten uns im LA-Vorstand nun, welche Wettkämpfe wir organisieren können, um den umliegenden Vereinen eine Startmöglichkeit anzubieten.»

Saisoneinstieg von Géraldine Ruckstuhl

Bereits heute Samstag nimmt Géraldine Ruckstuhl die Freiluftsaison 2020 in Angriff. Die Siebenkämpferin des STV Altbüron tritt an einem nationalen Meeting in Langenthal im Speerwerfen aus dem Training heraus an. Zwei Wochen später wird sie in Bern in verschiedenen Disziplinen an den Start gehen. «Mein Fokus liegt auf den Mehrkampf-Schweizermeisterschaften, die am 8. und 9. August in Langenthal stattfinden. Zudem möchte ich auch an den U23- sowie an den Aktiv-Schweizermeisterschaften gute Leistungen zeigen. Vergleiche mit internationalen Athletinnen wären zwar sicher cool, ich rechne momentan aber nicht damit.» Die Freude, endlich wieder an einem Wettkampf teilzunehmen, überwiegt. «Ich habe in den letzten Wochen an meinen Schwächen gearbeitet und möchte nun herausfinden, wo ich stehe. Ich geniesse es nun umso mehr, einen Speer zu werfen oder eine Hochsprungeinheit zu machen, da ich nun weiss, dass dies nicht selbstverständlich ist.» Unter Einhaltung von gewissen Schutzmassnahmen kann die amtierende U23-Europameisterin nun wieder die gewohnte Trainingsinfrastruktur in Magglingen und Bern nutzen und persönlich mit ihren Trainern zusammenarbeiten. Ihr Vereinskollege Fabian Steffen kurierte in den vergangenen Wochen eine Rückenverletzung aus. «Zuhause auf dem Balkon, im Garten oder im Wald konnte ich sehr effizient und gut trainieren und dabei grosse Fortschritte erzielen.» Ein Wettkampf kommt für den 21-Jährigen dennoch zu früh. «Da die Saison nun länger dauert, habe ich genügend Zeit, um mich langsam wieder an die Wettkämpfe heranzutasten.» Schon bald steht für den Grossdietwiler ein grosser Umbruch bevor. «Ich werde mein Trainingsumfeld nach Basel verlegen, wo ich die Passerelle absolviere.» Hochspringerin Lena Bussmann war in den vergangenen Wochen stark gefordert. Statt auf der Anlage zu trainieren und Sprünge über die Latte zu absolvieren, standen Sprünge und Sprints auf der Quartierstrasse oder improvisiertes Krafttraining auf dem Plan der 17-Jährigen. «Später durfte ich dann die 100-Meter-Bahn in Nebikon nutzen. Nun schätze ich es umso mehr, wieder auf der gewohnten Anlage trainieren zu dürfen. Die Hochsprungtrainings fehlten mir.» Anstelle des angestrebten Starts bei den U18-Europameisterschaften bilden die Nachwuchsschweizermeisterschaften nun den Saisonhöhepunkt der Willisauerin.

Herausforderung und Chance

Als grosse Herausforderung erlebte auch Andreas Haas die vergangenen Wochen. Der Sprinter aus Menznau hatte sich nach einem guten Winter extrem auf den Start in die Freiluftsaison gefreut. «Der Abbruch war eine grosse Enttäuschung. Statt auf der Bahn musste ich zuhause und auf der Strasse trainieren. Abgesehen von den Starttrainings hätte ich eigentlich alles machen können. Jedoch hielt sich meine Motivation ohne klar fixiertes Ziel vor Augen in Grenzen und ich habe die längeren Laufeinheiten rückblickend zu fest vernachlässigt.» Dem Athleten des STV Willisau bleibt aufgrund der verlängerten Saison genügend Zeit, um auf die Schweizermeisterschaften hin in Form zu kommen. Ein Einstieg in die Wettkampfsaison ist erst im August geplant. Die Grosswangerin Lisa Stöckli wird frühestens im Juli in die Wettkampfsaison einsteigen. «Die schnellen Einheiten folgen nun und der Saisonhöhepunkt mit den Schweizermeisterschaften findet erst im September statt. Ich fühle mich gut vorbereitet und freue mich, bald wieder Wettkämpfe zu bestreiten.» Seit anfangs Monat arbeitet die 26-Jährige in einem Anwaltsbüro in Sursee in einem 70-Prozent-Pensum. «Ich muss mich noch etwas an diese neue Herausforderung gewöhnen und einen guten Rhythmus finden.» Unabhängig von Corona war es geplant, in den Monaten April und Mai zuhause im gewohnten Trainingsumfeld zu trainieren. «Statt in der Gruppe auf der Bahn oder im Krafttraum trainierte ich jedoch alleine in der freien Natur oder zuhause. Ich hatte in den vergangenen Wochen viel Zeit für mich und die Regeneration, was ich sehr genoss. Meine Trainingskolleginnen haben mir aber gefehlt.» Flavia Stutz wurde nicht durch Corona, sondern durch eine Verletzung ausgebremst. Mitte März wurde bei der Ufhuserin ein zweifacher Ermüdungsbruch im Fuss diagnostiziert. Da die Hallenbäder geschlossen wurden, standen statt Aquajoggingeinheiten Trainings mit dem eigenen Körpergewicht oder mit dem Velo an. «Die Verletzung hat mir aufgezeigt, dass ich mehr Abwechslung in meinen Trainingsalltag bringen muss. Wettkämpfe habe ich glücklicherweise keine verpasst. Zudem hatten wir in der Gärtnerei sehr viel zu tun und ich habe mehr gearbeitet als üblich.» Schritt für Schritt kann sich die 23-Jährige nun wieder langsam an Laufeinheiten herantasten. «Im Juli ist ein Trainingslager in St. Moritz geplant. Ich hoffe, dass ich dann wieder richtig trainieren kann.»