Aktuell

Freitag, 18. September 2020

Herren 1, 2. Liga, STV Willisau - HC Einsiedeln
am Samstag, um 19:30 Uhr, Willisau Hallenbad

--> Saisonvorschau und Match-Vorbericht über das Herren-Fanionteam vom Willisauer Boten (Ausgabe vom 18.09.2020, Autor: Patrik Birrer)

 

Die nächsten Schritte auf steinigem Weg

Abstiegskampf: Das war in den vergangenen drei Jahren die harte Realität für die 2.-Liga-Handballer des STV Willisau. Gelingt in der neuen Saison der ersehnte Schritt nach vorne? Trainer Arno Huber versprüht zurückhaltenden Optimismus.

von Patrik Birrer

Natürlich: Der Klassenerhalt wäre für die Willisauer Handballer im vergangenen Frühjahr auf sportlichem Weg noch zu bewerkstelligen gewesen. Doch das Team von Trainer Arno Huber gehörte zweifellos zu den «Profiteuren» des Saisonabbruchs aufgrund der Corona-Pandemie. Mit einigen Ambitionen gestartet, gerieten die Willisauer rasch in eine Negativspirale, aus der sie nicht mehr wirklich herausfanden. Drei Runden vor Schluss lagen sie auf dem vorletzten Platz. Die Abstiegsgefahr war akut. Dann kam der Saisonabbruch.

Eine lange Pause

Doch das ist Vergangenheit. Der Blick der Willisauer Handballer ist längst nach vorne gerichtet; auf die Saison 2020/21. Durch den Meisterschaftsabbruch Mitte März war die (Zwangs-)Pause in diesem Jahr einige Wochen länger als üblich. Besondere Massnahmen hat Arno Huber, Trainer der 1.?Mannschaft des STV Willisau, deswegen nicht ergriffen. «Die Spieler hatten den Auftrag, sich selbstverantwortlich fit zu halten, um auf einem guten Niveau in die Vorbereitung auf die neue Saison steigen zu können», erklärt der 40-Jährige. Ein Grossteil der Akteure habe dies mit der Unterstützung der neuen Athletiktrainerin Regula Mehr – sie löste in dieser Funktion Fabienne Meyer ab – wunschgemäss hingekriegt. «Und wer etwas zu wenig gemacht hatte, bekam das spätestens Anfang Juni zu spüren», meint Huber mit einem süffisanten Lächeln.

Noch einmal jünger

Dann nämlich bat der Willisauer Trainer sein Team wieder in die Halle. Dieses ohnehin schon sehr junge Team ist im Vergleich zur Vorsaison noch einmal jünger geworden. Mit Raphael Häfliger und Andreas Schmidli haben zwei Routiniers ihre Rücktritte bekannt gegeben. Einziger «echter» Zuzug ist Luca Peter. Er kehrt nach einem Jahr beim TV Dagmersellen zurück zu seinem Stammverein. Ausserdem sind mehrere eigene Junioren zum Kader gestossen. Hätten die Verantwortlichen nach den Erkenntnissen der vergangenen Jahre nicht zwingend den einen oder anderen gestandenen Spieler verpflichten müssen? «Das kann man so sehen», gibt Huber zu. «Aber wir haben vor einiger Zeit beschlossen, in der 1.?Mannschaft mittel- und langfristig auf unsere eigenen Junioren zu setzen.» Davon seien die Verantwortlichen nach wie vor überzeugt. Auch wenn der Weg beschwerlich sei. «Wir bleiben unserer Philosophie treu», sagt Huber. Und er fügt an: «Es ist für mich eine grosse Freude und wesentlicher Teil meiner Leidenschaft, mit diesen jungen Spielern aus dem eigenen Verein arbeiten zu dürfen.» Besonders bitter in Anbetracht der Jugendlichkeit und Unerfahrenheit der Willisauer ist der monatelange Ausfall von Christoph Cranz. Der Kreisläufer verletzte sich in der Vorbereitung schwer am Knie.

Die Ausrichtung bleibt bestehen

Vor genau einem Jahr gaben die Willisauer Rang 5 als Saisonziel heraus. Diese Platzierung verpassten sie klar. War sie zu hoch angesetzt? Huber verneint. «Das Potenzial im Team für eine Klassierung in dieser Region war und ist absolut vorhanden. Wenn ich nicht davon überzeugt wäre und zu 100 Prozent an mein Team glauben würde, wäre ich der falsche Trainer.» Gleichwohl gehen die Willisauer in diesem Jahr in Bezug auf ihr Saisonziel einen anderen Weg. Sie verzichten darauf, ein solches öffentlich zu kommunizieren. «Es mag eine Floskel sein», sagt Huber. «Aber für uns gilt in dieser Saison noch mehr als üblich, von Spiel zu Spiel zu schauen.» Der Verein und Trainer Arno Huber setzen also weiterhin konsequent auf junge, eigene Kräfte. Und auch an der grundsätzlichen Ausrichtung der Mannschaft hält der Willisauer fest. Huber sieht nach wie vor davon ab, fixfertige Spielzüge einzustudieren. Stattdessen gibt er dem Team Angriffsauslösungen vor, innerhalb derer die Spieler viele Freiheiten geniessen. «Im Zentrum steht weiterhin die Verbesserung des individuellen Entscheidungsverhaltens. Ich bin absolut überzeugt von diesem Ansatz. Und ich habe von Anfang an gesagt, dass die Umsetzung dieser Art von Handball Zeit brauchen wird.»

Des Trainers Qual der Wahl

Nur: Allzu viel Zeit werden die Willisauer Handballer auch in dieser Saison nicht haben. Um einem Szenario wie in den vergangenen Jahren zu entgehen, sind sie auf einen guten Start und möglichst viele Erfolgserlebnisse angewiesen. Dafür haben sie in den vergangenen Wochen und Monaten hart gearbeitet. Arno Huber wertet die Eindrücke aus der Vorbereitung positiv. Die Breite des Kaders eröffne ihm zahlreiche Optionen. Vor allem aber erhöhe sie den Druck auf jeden einzelnen Spieler. «Es kann sich keiner zurücklehnen und hier und da einmal ein Training auslassen, weil auf jeder Position zwei oder drei andere Spieler auf ihre Chance warten.» Das könne zwar auch zu einer gewissen Unzufriedenheit führen. Doch das beunruhigt Huber nicht. «Die Spieler haben es mit ihrer Trainingspräsenz und -leistung selber in der Hand, sich aufzudrängen.» Unbefriedigend präsentiert sich jedoch die Situation auf der Goalieposition. Weil Tobias Krummenacher berufsbedingt nur selten zur Verfügung steht, ist Florian Mehr einziger fixer Torhüter. Verschiedene Goalies helfen aus, um die zweite Torhüterposition in Trainings und Spielen zu besetzen. Wohin der Weg der jungen Willisauer Mannschaft führen wird, kann niemand sagen. Fakt ist: Nach den sportlich biederen Jahren flösst das Team keinem Gegner mehr zum Vornherein Angst ein. Mit übermässigem Respekt oder gar Hemmungen reist kaum mehr jemand ins Luzerner Hinterland. «Das ist ein Fakt. Aber wir sollten alles dafür tun, damit sich das möglichst schnell wieder ändert», so Arno Huber.

Duell der letztjährigen «Sorgenkinder»

Ab Morgen Samstag gilt es für die Willisauer Handballer in der 2.-Liga-Meisterschaft wieder ernst. Im Auftaktspiel trifft das Team von Trainer Arno Huber auf den HC Einsiedeln. Zieht man die Rangliste beim Zeitpunkt des Abbruchs der vergangenen Saison zurate, so wäre dies das Duell zwischen dem Tabellenvorletzten und dem -letzten gewesen. Der Schluss liegt nahe: Wollen die beiden Mannschaften eine ähnlich komplizierte Saison wie im Vorjahr verhindern, müssen sie dieses Direktduell gewinnen. Dieser Einschätzung widerspricht Willisaus Trainer Arno Huber nicht grundsätzlich. Allerdings will er dem ersten Ernstkampf seines Teams in der neuen Saison keine übermässige Bedeutung zumessen. «Natürlich ist ein erfolgreicher Saisonstart zentral und kann etwas auslösen. Wir sollten uns aber nicht schon im ersten Spiel selber allzu hohen Druck auferlegen.»

Einsiedler starteten mit Sieg

Die beiden Duelle zwischen Willisau und Einsiedeln in der vergangenen Saison waren hart umkämpft. Beide Male behielten die Hinterländer knapp die Oberhand (25:24 zu Hause, 20:18 auswärts). Doch die Schwyzer haben vor Wochenfrist bei ihrem ersten Meisterschaftseinsatz zu Hause gegen die 2.?Mannschaft des KTV Muotathal auf ganzer Linie überzeugt und doch ziemlich überraschend mit 31:25 gewonnen. Die Willisauer dürften also auf einen Gegner treffen, der mit breiter Brust und intaktem Selbstvertrauen anreist.

 

Alle Handballspiele des STV Willisau am Wochenende im Überblick:

- Samstag, 14:45 Uhr, Herren 2 (3. Liga): SG Ruswil Wolhusen - STV Willisau (in Ruswil Wolfsmatt)
- Samstag, 14:45 Uhr, FU16: SG Dagmersellen/Sursee - STV Willisau (in Dagmersellen Chrüzmatt)
- Samstag, 16:30 Uhr, MU19: SG Willisau/Dagmersellen - HSG Mythen Shooters (in Dagmersellen Chrüzmatt)
- Samstag, 17:45, MU15: STV Willisau - SG Ruswil Wolhusen (in Willisau Hallenbad)
- Samstag, 19:30 Uhr, Herren 1 (2. Liga): STV Willisau - HC Einsiedeln (in Willisau Hallenbad)
- Samstag, 20:00 Uhr, Damen 1 (1. Liga): Handball Emmen - STV Willisau (in Emmen Rossmoos)

Will mit Willisau gegen den HC Einsiedeln zuhause das erste Meisterschaftsspiel positiv gesalten: Linkshänder David Mühle (hier im letztjährigen Duell gegen Einsiedeln, welches der STVW mit einem Tor Differenz gewinnen konnte; Fotograf Christoph Imseng).