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Samstag, 13. Februar 2021

Es bleibt nur noch wenig Zeit (Willisauer Bote, Ausgabe vom 12.02.2021)

Erneuter Saisonabbruch oder Wiederaufnahme der Meisterschaft nach Ostern? Diese Frage stellte der Verband seinen Vereinen. Die Handballabteilungen des TV Dagmersellen und des STV Willisau sprechen sich für ein vorzeitiges Saisonende aus.

von Patrik Birrer

Die epidemiologische Lage in der Schweiz hat sich in den vergangenen Wochen verbessert. Die wesentlichen Kennzahlen wie Neuinfektionen, Hospitalisationen und Todesfälle sind rückläufig. Dennoch bleibt die Situation gemäss Experten angespannt. Grund dafür sind die immer häufiger auftretenden und deutlich ansteckenderen Mutationen des Coronavirus.

In Anbetracht dieser Ausgangslage machte der Bundesrat der Bevölkerung am Mittwoch vor einer Woche wenig Hoffnung auf baldige Lockerungen der seit Mitte Januar und noch mindestens bis Ende Februar verordneten Schutzmassnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Meinungen der Vereine abgeholt

Aufgrund der Schutzmassnahmen stark eingeschränkt, ja faktisch stillgelegt, ist der Amateursport. Seit Ende Oktober muss der Trainings- und Meisterschaftsbetrieb auf nicht-professioneller Ebene in praktisch allen Sportarten ruhen. Im Handball etwa gingen die letzten Ernstkämpfe auf Stufe 1. Liga und tiefer vor mittlerweile mehr als dreieinhalb Monaten über die Bühne. Und immer drängender stellt sich die Frage: Kann und soll die Meisterschaft 2020/21 überhaupt noch fortgesetzt werden? Der Schweizerische Handball-Verband (SHV) hat sich intensiv mit dieser Problematik auseinandergesetzt und detaillierte, verkürzte Verfahren zur Beendigung der Meisterschaft in den verschiedenen Amateurligen erarbeitet (siehe unten im Zusatzartikel), falls die behördlichen Vorgaben das überhaupt zulassen.

Bis am vergangenen Montag hatten die Vereine Zeit, sich grundsätzlich zum weiteren Vorgehen zu äussern: Soll nach Ostern eine verkürzte Meisterschaft aufgenommen werden, oder soll die Meisterschaft wie schon im Vorjahr abgebrochen werden?

Drei bis vier Wochen Vorlaufzeit

An der Umfrage des Verbands haben sich auch der TV Dagmersellen und der STV Willisau beteiligt. Die Verantwortlichen beider Vereine sind zum gleichen Schluss gekommen: Eine Fortsetzung der Meisterschaft unter den gegebenen Voraussetzungen halten sie für nicht erstrebenswert. Hauptgrund: Die nach wie vor vorherrschende Ungewissheit.

Peter Staub, Präsident der Handballabteilung beim TV Dagmersellen, erklärt: «Wenn die verkürzte Meisterschaft nach Ostern beginnen soll, müsste spätestens Mitte März ein uneingeschränkter Trainingsbetrieb erlaubt sein. Danach sieht es momentan leider wirklich nicht aus. Deshalb haben wir uns nach Rücksprache innerhalb des Vorstands und mit Trainern und Spielern entschlossen, uns für einen Abbruch der Saison auszusprechen.»

In die genau gleiche Richtung geht die Argumentation von Erich Albisser, Präsident der Handballabteilung beim STV Willisau: «Drei bis vier Wochen Vorbereitungszeit ohne Einschränkungen in den Trainings sind das absolute Minimum, um anschliessend die Meisterschaft fortzusetzen.» Selbst wenn diese Vorlaufzeit gegeben wäre, fürchten sowohl Albisser wie auch Staub ein erhöhtes Verletzungsrisiko. «Die Pause war sehr lang und der Spielplan zur Beendigung der verkürzten Meisterschaft sieht viele Spiele in vergleichsweise kurzer Zeit vor. Das sollten wir nicht unterschätzen», so Albisser. Und Peter Staub führt noch einen weiteren Grund für die Zurückhaltung gegenüber einer Wiederaufnahme der Meisterschaft an. «Die Quarantäneregeln werden weiterhin bestehen. In dieser Beziehung bergen Handballspiele unbestritten eine gewisse Gefahr. Viele Arbeitnehmer sehen es verständlicherweise nicht wahnsinnig gerne, wenn sich ihre Angestellten in der Freizeit einem erhöhten Ansteckungsrisiko aussetzen.»

Sportliche Überlegungen «zweitrangig»

Die von den beiden Präsidenten aufgeführten Argumente sind nachvollziehbar. Doch Hand aufs Herz: Haben nicht auch sportliche Überlegungen den Entscheid pro Saisonabbruch beeinflusst? «Nein. Das hat bei uns wirklich keine Rolle gespielt», sagt Erich Albisser. Ein Blick auf die Zwischenranglisten der Gruppen der beiden Willisauer Fanionteams zeigt: Die Männer sind mit zwei Siegen aus drei Partien sehr ansprechend gestartet und die Frauen dürften mit ebenfalls vier Punkten aus drei Spielen erneut im Kampf um einen der beiden Plätze in der 1.-Liga-Aufstiegsrunde mitmischen.

Etwas anders präsentiert sich die Ausgangslage beim TV Dagmersellen. Das Team von Trainer Martin Prachar liegt in seiner 1.-Liga-Gruppe gegenwärtig auf dem letzten Platz. In einer allfälligen verkürzten Meisterschaft müssten die Wiggertaler voraussichtlich hart kämpfen, um nicht in den Abstiegsstrudel zu geraten. Haben also auch sportliche Überlegungen das Votum für einen vorzeitigen Saisonabbruch beeinflusst? «Völlig aussen vor gelassen haben wir die sportliche Ausgangslage natürlich nicht», sagt Peter Staub. Gleichwohl seien solche Erwägungen effektiv zweitrangig gewesen. «Und», so hält der Präsident der TVD-Handballabteilung fest, «sollten sich die Verbandsverantwortlichen für eine Fortführung der Meisterschaft aussprechen, werden wir uns dieser Herausforderung selbstverständlich stellen.»

Anspruchsvolle Planung

Ob die Saison 2020/21 eine Fortsetzung findet, scheint aktuell mehr als fraglich. Unabhängig von diesem Entscheid, müssen die Vereine aber bereits jetzt die neue Spielzeit 2021/22 planen. Keine einfache Sache in der aktuellen Lage. Doch die Handball-Präsidenten sowohl des TV Dagmersellen als auch des STV Willisau sind zuversichtlich, ohne allzu grosse Zäsuren in die neue Saison starten zu können. «Wir haben zuletzt viele Gespräche geführt. Die provisorischen Kader stehen», lässt Erich Albisser verlauten. Der Vorstand würde nur zu gerne mit den aktuellen Trainern der Fanionteams, Peter Joller (Frauen) und Arno Huber (Männer), in die neue Saison gehen. Er habe diesbezüglich ein gutes Gefühl, so Albisser. Offizielle Verlautbarungen gäbe es aber noch nicht.

Beim TVD klingt es ähnlich. Praktisch alle Spieler hätten für die neue Saison bereits zugesagt, erklärt Peter Staub. Und auch mit dem Trainerduo Martin Prachar/Silvan Graf werde eine Verlängerung der Zusammenarbeit angestrebt.

 

***SO SÄHEN DIE VERKÜRZTEN MEISTERSCHAFTEN AUS***

UMFRAGE Sollen die Meisterschaften 2020/21 von der 1. Liga abwärts abgebrochen werden oder sollen sie nach Ostern in verkürzter Form wieder aufgenommen werden? Die Meinungen der Vereine auf diese Frage wollte die Wettspielbehörde des Schweizerischen Handball-Verbands (SHV) mittels einer Umfrage erfahren. Bis am vergangenen Montag, 8. Februar, hatten sie Zeit, ihre Antworten zu retournieren (siehe auch oben im Haupttext). Der Verband wertet die Rückmeldungen nun aus und will die Vereine bis spätestens Ende Februar über das weitere Vorgehen informieren.

Eine Art «Vernehmlassung»

Wie Adrian Kneubühler, Leiter der Wettspielbehörde beim SHV, in einem Interview auf der Verbandshomepage ausführt, handle es sich bei der Umfrage nicht um eine juristische Abstimmung sondern um eine Art «Vernehmlassung». Die Wettspielkommission sei deshalb nicht juristisch an das Resultat gebunden.

Ein wesentlicher Punkt: Bis Mitte Juni müsste jede Art von Meisterschaft abgeschlossen sein, damit die neue Saison pünktlich beginnen könnte. Die verkürzte Meisterschaft würde frühestens nach Ostern und spätestens am 20. April beginnen. Und so sähe das angepasste Programm aus:


1. Liga der Männer (mit dem TV Dagmersellen)

Die 32 Teams spielen vom 6. April bis am 16. Mai ihre Hauptrunde zu Ende, danach werden zwei Aufsteiger und sechs Absteiger ausgespielt.

Aufstieg: Aus jeder Gruppe nehmen die beiden bestplatzierten aufstiegsberechtigten Teams an der Aufstiegsrunde teil (Nachrückungsrecht bis Rang 3). Die maximal acht Teams spielen eine Einfachrunde.
Abstieg: Die Teams auf den Rängen 6 bis 8 in jeder Gruppe kommen in die Abstiegsrunde. Es werden drei Gruppen à vier Teams gebildet, in denen jeweils eine Doppelrunde ausgetragen wird. Die zwei Letztplatzierten pro Gruppe steigen ab.

1. Liga der Frauen (mit dem STV Willisau)

Die 19 Teams spielen vom 6. April bis 22. Mai ihre Hauptrunde, danach werden die Aufsteiger (einer oder zwei) und die vier Absteiger ausgespielt.

Aufstieg: Aus jeder Gruppe nehmen die beiden bestplatzierten aufstiegsberechtigten Teams an der Aufstiegsrunde teil (Nachrückungsrecht bis Rang 3). Es werden zwei Gruppen gebildet, die je eine Einfachrunde bestreiten. Die Gruppensieger spielen danach mit dem 7.-Platzierten der Spar Premium League 2 eine Einfachrunde um die zwei Plätze in der SPL2.
Abstieg: Die Teams auf den Rängen 5 und 6 aus den Gruppen 1 und 2 sowie auf den Rängen 6 und 7 aus der Gruppe 3 spielen innerhalb einer Gruppe eine Einfachrunde. Die Mannschaften auf den Rängen 3 bis 6 steigen ab.

2. Liga der Männer (mit dem STV Willisau)

Die 67 Teams spielen vom 6. April bis 13. Juni eine Einfachrunde der Hauptrunde zu Ende. Sechs Teams steigen auf, sechs Teams steigen ab.

Aufstieg: Aus jeder Gruppe steigt das bestplatzierte aufstiegsberechtigte Team auf (Nachrückungsrecht bis Rang 3).
Abstieg: Alle letztplatzierten Teams jeder Gruppe steigen ab. Es bleibt bei sechs Absteigern und in der Saison 21/22 spielt eine Gruppe statt mit 12 mit 13 Teams (Ende Saison 21/22 ein zusätzlicher Absteiger).


Willisauer Bote, Ausgabe vom 12. Februar 2021
Autor: Patrik Birrer
www.willisauerbote.ch