Sportlager 2021

Tagesberichte des 36. Sportlagers 2021 in Herisau

Tagesbericht vom Samstag, 10.7.2021: Oans, Zwoa, Drei – Herisau!

«Zegi»-Zagi-«Zegi»-Zagi-Hoi-Hoi-Hoi! Das legendäre und auf diesem Planeten seinesgleichen suchende Zegi- bzw. Jugilager des STV Willisau startet heute in die 36. Ausgabe! Aller guten Dinge sind Drei – auch heuer haben die vor Euphorie und Vorfreude tanzenden und jubelnden Herisauer die Ehre, uns empfangen zu dürfen! Logiert werden wir einmal mehr in der 5,5-Sternen-Unterkunft «Chälblihalle». Unsere Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt: Da wird nicht nur für junges Rind, sondern auch für junge Lagerkids bestens gesorgt! Oder mit dem Vokabular eines Appenzöllerischen Einheimischen ausgedrückt: «Immo wiedo schö, oda!»


Geschätzte Turnerfamilie, Lagerfanatiker, zuhause gebliebene Mami’s und Papi’s und Freunde des gepflegten Wortes: Herisau zum Dritten – Bei sommersonnigstem Wetter starten wir in Jugilager-Runde 36! Nach der letztjährigen Dernière von Cenci «Linsendompteur» Lampart und Raphi «10-Fingerknatterer» Bättig freut sich die diesjährige Lagerredaktion mit Nora Meyer und Ramon Marti, Ihre Augenpaare zuhause an Ihre Handy- und Laptop-Bildschirme zu fesseln und mit rassigen Zeilen und knackigen Fotos für einen erhöhten Energieverschleiss des Akkugeräts Ihres Samsung- oder Apfel-Smartphones zu sorgen.

A propos Energieverschleiss: Geschmissen wird der ganze Laden heuer erstmals vom kogenialen Hauptleitungs-Duo Nadine (ist) Heller und Jan Peter, die in den Lagervorbereitungen mit den ganzen Virus-Geschichten einen ähnlich energieraubenden Einstand erleben wie ein 40:40-Deuce im neunten Game eines Wimbledon-Fünfsätzers.

Rotiert wie der Schwingbesen in der Suppenschüssel wird auch in der Kochtruppe – angeführt von Star-Chefkoch Basil Troxler mit seinen siebeneinhalb Gault-Millieu-Punkten, der in der Küche den legendär-geniösen «JJ» (phonetisch «Tschey Tschey» klingend) ablöst.


Für die Faktenfreunde und Ziffernfanatiker unter euch, hier zu Beginn noch ein paar Lagerzahlen:

   108 Sportsnasen, davon 73 Mädels und 35 Jungs sind am diesjährigen Lager mit dabei
   26 Polysportler*innen: 20 Mädels, 6 Jungs
   23 Handballer*innen: 7 Daphne Gautschis und 16 Andy Schmids der Zukunft
   18 Geräteturnerinnen
     5 Nationalturner
   Leichtathletik: 21 Nagelschühler*innen, davon 12 Girls und 9 Boys
   Gymnastik: 12 Mädchen
   Korbball: 2 Mädchen, 1 Knabe
   Leiter*innen: 33 (inklusive Küchenteam und Redaktion)
   Postleitzahl: 9100
   Lageradresse für Frässpäckli: Chälblihalle, Ebnetstrasse 1, 9100 Herisau, Leiter-Büro (…;-))


Der Tag der Anreise beginnt für die 108 Lagerkids auf dem Kanti-Parkplatz. Pünktlich um 13:02 heben die drei EUROBUS-Maschinen ab und schweben in tänzerisch leichter Manier über den autobähnischen Asphalt. Aus Platz- und Kostengründen haben die Leiterinnen und Leiter grosszügig auf die dreimal so breiten First-Class-Logenplätze verzichtet und so wird ausschliesslich Economy geflogen. Die dadurch eingesparten Akkustikwände rächen sich: Der Schallpegel senkt sich nur selten unter die Null-Dezibel-Grenze, was ein permanentes Pfeifen der Phonak-Hörgeräte-Träger bei den älteren Generationen zur Folge hat. Für einen gelegentlichen Geräusche-Dämpfer sorgen lediglich die gebutterten oder ge-mayonnaisten Salami-Schinken-Käse-Sandwichs und die verZWEIFELten Kartoffel-Knusper, die unterwegs verdrückt werden. Im Gegensatz dazu, wie es beim ikonischen Leitermatch-Fussballspektakel am kommenden Donnerstag bei den Lagerkids der Fall sein wird, hat die Salami-Taktik der Mami’s und Papi’s hier hervorragend funktioniert und die zuvor grosshungrigen Mäuler ein erstes Mal gestopft.

Um 16:10 Uhr setzen die beiden Maschinen schliesslich zur Punktlandung auf dem Herisauer Chälblihallen-Parkplatzboden an. Nachdem die allem Anschein nach mit Steinen gefüllten Koffern entgegengenommen und die für einige endlos wirkende Treppe zu den Luxus-Suiten hochgeschleift und -geschwitzt wurden, folgt bereits die nächste ultimative Reifeprüfung: das faltenfreie Montieren der Matratzenüberzüge. Nach dem ersten Festschmaus der «Chuchi-Kruu», dem obligaten Spaghetti-Bolognese-Bankett – leider wurden auch hier vom einstmaligen Chälblihallen-Erbauer eine Akkustikdecke in der Soldatenstube nicht mit in die Bauplanung miteinbezogen – geht es noch auf einen abendlichen «Herisau-Kennenleon-Spaziogang» (auf dem die Kids bereits ein erstes Mal ihre Gesangskünste zum Besten geben und den Luzernerischen KUNZ in den Herisauer Himmel schreien – beim Instagram-Kanal des STV Willisau hautnah nachzuerleben), ehe ein Kuchenbuffet den Programmschlusspunkt des Anreise-Samstags markiert. Den zufriedenen Gesichtern und übriggebliebenen Schoggikrümel an den Maulecken nach zu urteilen, haben diese wie immer gemundet und gemampft.

Für gewöhnlich ist das Einschlafbedürfnis bei den zu Beginn der Lagerwoche noch nimmermüden Kids am ersten Abend maximal als mässig einzustufen. Mal sehen, ob die 108x2 Äuglein am morgigen Frühstück mehr als nur eine verschwommene Silhouette des Gegenübers wahrnehmen. Volle Akkus werden die Kids mit Sicherheit brauchen, wenn sie Trainingsmorgen Eins von Drei in den gewählten Sportfächern verbringen.

Somit bleibt unsererseits nur noch der nächtliche Gute-Nacht-Gruss ins heimische Luzerner Hinterland auszurichten – wir lesen uns morgen;-)!

IMPRESSIONEN

 

Tagesbericht vom Sonntag, 11.7.2021: Ein Tag voller Champi(gn)ons

Gäbe es im Lagerhaus drin polizeiliche Geschwindigkeits-Kontroll-Radarkästen, so wären am heutigen Morgen wohl nicht allzu viele Nasen geblitzt worden. Eher hätte es Beschwerdemeldungen wegen Verkehrsbehinderung gegeben, schienen doch einige noch mit etwas angezogener Handbremse unterwegs zu sein. Man hätte sich fragen können, ob der ein oder andere Fussball-Fanatiker unter den Langsamzündern zu finden sei. Die langen Visagen beim Frühstücksbankett könnten auf hellseherische Begabungen hindeuten, wenn sich in ihren Visionen eine Niederlage ihrer Herzensmannschaft am abendlichen Fussball-EM-Finale abzeichnen würde. Ob sie den Braten bereits am Morgen riechen? Da der Hackbraten aus Herisauer Rind jedoch erst morgen Mittag auf dem Menüplan steht, ist eine etwas nervöse und zappelige erste Lagernacht als die wahrscheinlichere Gähn- und Schlarp-Ursache einzuschätzen.

Wie auch immer, das Antlitz eines jeden Siebenschläfers wird durch nichts besser belebt als durch den himmlischen Geruch von gebratenen Speckstreifen und frischer Trinkmilch direkt ab Kuh. Gekrönt wird der Sonntigsbrunch durch königlich goldbraun gebackene Butterzöpfe aus dem Bäckermeister-Ofen des Café Amrein Willisau.

Kohlenhydratisiert starten die wieder energiegetankten Sport-Youngsters mit dem Tatendrang eines ausgerissenen Stiers in die gewählten Sportdisziplinen und damit die Vorbereitung auf das bescheiden formulierte Ziel #Olympia2036. Voran marschieren unsere fünf Jung-Natifuger, angeführt von zwei Nationalturnkästen mit Format eines Arnold Schwarzeneggers zu seinen besten Zeiten. Unbeeindruckt lassen die fünf Jung-Muske(l)tiere ihre Muskeln tanzen und werfen Granitgesteine in Fussballgrösse in die Ebneter Sandkästen, sodass der Lokal-Nachrichtensender «Heri-News» eine Erdbebenregistrierung von Stärke 4,2 durch die Rundfunkstationen senden muss.

Dreieinhalb Meter daneben lassen sich die Kambundjis und Husseins von morgen dem zitternden Erdboden zum Trotz dennoch nicht aus der Bahn werfen. Mit genagelten Fusslatschen bohren sie sich in den roten Rundbahn-Untergrund und fliegen dennoch leichtfüssig über die je nach Körpergrösse teils kopfhohen Hürden. Gar noch leichtfüssiger tänzeln auf der Gegenseite die Zehenspitzen der Gymnastikerinnen im 4/4-Takt über das gemähte Grün und brettern sich die choreografischen Grundbausteine zwischen die Ohren. In der Turnhalle neben der Ebnet-Arena knallen sich die Polysportiven bei diversen Völkli-Variationen und Würfel-Tschuttis die Bälle um die Wette, sodass das Hallenfensterglas zu zittern beginnt.

Eine Viertelstunde Fussmarsch entfernt, richten sich indes die Handball- und Geräteturnspezialisten im Herisauer Sportzentrum häuslich ein. Während die einen mit einem Ball in der Hand an taktischen und technischen Finessen schleifen und gelegentlich neue Löcher ins Tornetz pfeffern, springen und schwingen die andern galante Salti und Schrauben und sorgen so eigenständig für eine gesunde Luftzirkulation.

Eine mindestens genauso souveräne Performance zaubern die Chefs de Cuisine auch heute wieder auf den Küchentisch. Ein «Uncle Ben’s»’sches Champignon-Risotto komplettiert das mediterrane Fischknusperli-Menü – Ein F(r)ischfang inklusive MSC-Gütesiegel, nachdem die Flossenfüssler heute Morgen noch im Lago di Herisau herumschwadderten.

Das «Herisauo Quöllwasso» nimmt dann auch am Nachmittag die Hauptrolle ein: Zehn Legionen von mit Bikini und Badehosen bekleideten Gladiatoren und Gladiatorinnen stolzieren in die Ebnet-Rasenarena ein, um bei den Olympischen Wasserspielen für Furore zu sorgen. Die Lagerschar des STV Willisau wurde dabei ihrer absoluten Favoritenrolle mehr als gerecht und wusste in sämtlichen Disziplinen inklusive Wasser-Brennball, Kinderkegeln und Spongebob-Stafette zu überzeugen.

Nach einem weiteren Mahl erster Klasse mit Piccata, Rüebli und Härdöpfu-Gratää und sogar einem Caramell-Chöpfli-Nachtisch begeben sich die Fussballfanatiker ins Chälblihallen-EM-Stübli, um mit Leinwand und High-Tech-Allround-System das Endspiel zwischen den Spaghetti-Erfindern und den Tee-Spezialisten hautnah mitzuverfolgen. Daher übergebe ich nun an meinen wortgewandten Kollegen Sascha Ruefer und wünsche euch zuhause ein ebenso frohes Fussballfest und dann – je nach Sympathiepunkten – buona notte oder good night!

IMPRESSIONEN

 

Tagesbericht vom Montag, 12.7.2021: Die Badi, die mag i!

Bestimmt kennen Sie das glückselige Gefühl, wenn Sie eines schönen Sommermorgens aus den Tiefen ihrer Traumwelt auftauchen, nachdem Sie Ihren ununterbrochenen achteinhalbstündigen Schönheitsschlaf quittieren können. Wenn Sie dann voller Zufriedenheit und mit einem derart breiten Lächeln auf den von den Falten des Daunenfederkissens bemusterten Wangen, wie es sonst nur in Elmex-Zahnpasta-Werbespots existiert, Ihre Finger- und Zehenspitzen in alle vier Himmelsrichtungen ausdehnen. Und wenn Sie schliesslich Ihr geliebtes gepolstertes Schlaf-Territorium verlassen und die Fenstertüren öffnen, nur um Ihrem olfaktorischen Riechorgan eine aromatisierte Begegnung mit einer übelster Tsunami-Duftwelle von frischem Kuhdung zu ermöglichen.

In etwa so ergeht es auch uns heute Morgen nach der dritten Engelsschlafnacht in den Suiten-Betten der Luxus-Appartements, als wir von Kuhglocken-Klängen und in etwas Entfernung dazu in passender Dur-Harmonie singenden Herisauer Hähne geweckt werden. Vieh-Verkauf soll in der Chälblihalle über die Bühne gehen, was einige neugierige Augenpaare nach draussen lockt. Gerüchten zufolge soll sogar der Siegesstier für das Eidgenössische Schwingfest 2022 dem nordostschweizerischen Verband einen Besuch abgestattet und dabei einen kurzen Gastauftritt in der «Rind-ledig-sucht»-Show mit Bachelor-Format hingelegt haben. (Aus Lizenzgründen konnte 3+ aber leider keine Live-Übertragung bieten.)

Diesen er-schwing-lichen Morgenaufsteller nehmen dann die Natifuger als Anlass, heute in den Outdoor-Sagmehl-Ring zu steigen. Am zweiten Vormittag in den gewählten Sportdisziplinen erwerben die fünf Nationalturnkinder nach einer Jogging-Warm-Up-Runde in Rocky-Balboa-Manier essentielle technische und taktische Grundkompetenzen im Ring- und Schwingsport und begeben sich auf Spuren von Chregu Stucki und Stifi Reichmuth. Auch in den anderen Sportarten sind die Kids mit vollem Elan dabei: Die Geräteturnerinnen drehen Flikflaks nach Steingruber Art auf Trampolin und Airtrack, die Handballer «bömmeren» was das Zeug hält, die Leichten Athleten fliegen mit weiten Sprüngen in den Ebneter Sandkasten, im Polysport überzeugen die Kids mit ungesehenen Breitensport-Talenten und die Gymnastikererererinnen brettern die Lagertanzmoves ins Langzeitgedächtnis.

Nachmittagsprogramm des voraussichtlich sommerigsten Tages der Woche heisst zur Freude 108 johlender und jodlender Kinderstimmbänder: Badi-Besuch! Nebst dem kühlen Nass darf in einem Jugilager natürlich auch etwas sportliche Aktivität nicht fehlen. Sei es beim Gehirnjogging auf der Suche nach gemeingefährlichen Herisauer Werwölfen, sei es bei der fussballerischen Aufwärmrunde für das Leitermatch-Spektakel am kommenden Donnerstag, sei es bei der Feinmotorik-Meisterschaft im Kubb. Auch eine Volleyball-Partie darf nicht fehlen, obschon das Niveau nicht ganz an Hüberli-Betschart-Szenen herankommt. Es ist schon erstaunlich, wie es das Spielgerät trotz dieser hohen Mitspielerdichte mit einer Regelmässigkeit und Frequenz einer verrückt gewordenen Nähmaschine auf den sandigen Boden schafft. Eine weitaus erfreulichere Erkenntnis dieses Montagnachmittags stellt die Beobachtung dar, wie einzelne Jünglinge aus der Grössenkategorie derjenigen Sorte, die sich noch quer auf die Spongebob-Badetücher legen können und dabei weder Haarspitze noch Zehennagel den Rasen flattiert, das Handbuch der Flirt- und Aufreisskunde allem Anschein nach jedoch bestens beherrschen und wohl Wort für Wort die Weisheiten daraus zitieren könnten.

Einem üppigen Grill- und Salatbankett folgt der Lagerkiosk und Postkarten-Verkauf, ehe es im abendlichen Spiel- und Spass-Beschäftigungsprogramm nochmals richtig zur Sache geht. Ob beim Coca-Cola-Dosentransport mit ungekochten Spaghettis oder beim Houdini’schen Entkettungsakt – beim etwas unkonventionellen Spieleabend ist gebeutelte Zusammenarbeit oberste Pflicht. So nach dem Motto: «Nuo gmäinsam schaffamo daa!»

IMPRESSIONEN

 

Tagesbericht vom Dienstag, 13.7.2021: Trickfilm-Helden in Herisau!

Studiert man die radar’schen Wetterprognosen auf Meteo Herisau für die nächsten Tage, schlagen wir ausserhalb der Geräteriegenhalle wahrlich keine Purzelbäume, zumal die Bäume in der letzten Donner-Nacht (übrigens das Gegenteil von Donnerstag) in weiten Teilen der Schweiz von alleine purzelten. Wetterpatron Petrus hat offensichtlich Blasenschwäche und sorgt mit niederschlagenden «Gwitto-Wulchä» für gefühlsmässig frühwinterliche Verhältnisse, wie sie sonst im Juli nur auf der südlichen Hemisphäre vorherrschen. Wo gemäss wissenschaftlich belegten Mythen der Strudel bei der Toilettenspülung im Gegensatz zu den nordischen Plumms-Schüsseln im Uhrzeigersinn in Richtung Kanalisation davonfliessen soll (, was wiederum gemäss der mehr oder minder souverän wirkenden Webseite abflussreinigen.de aber auch wissenschaftlich widerlegt sein soll).

Sorry, etwas abgeschweift… Kurz zur Rechtfertigung: Was vielleicht wie ein sinn- und inhaltsloses Wortgewurstel daherkommen mag, hat durchaus aktuelle Relevanz, zumal heuer vor allem nach Nachtruhe nächtliche Toilettenspaziergänge bei den Kids hoch im Kurs zu sein scheinen. Werden die Nachtaktiven dann bei der folgenden Morgendämmerung durch die musikalischen Schallwellen des JBL-Weckdienst-Böxlis liebevoll aus dem Schönheitsschlaf gerissen, erinnern die verschlafenen schmalen Glubschäuglein ein wenig an unsere ostasiatischen Shin-que-Pi-Kollegen (…ja, obwohl vielen Teigfressern unbekannt, sind dies die wahren «kliino Erfindo» der gleichnamigen Pasta-Sauce!), oder zusammen mit den offensichtlich schweren Beinen mit Bodenwisch-Funktion auch an Sid, das Murmeltier aus der Ice-Age-Trickfilmsaga.

Um mit diesem letzten eisigen Gedanken-Looping wieder die Schlaufe zurück zum Thema zu machen, muss hier noch erwähnt werden, dass die arktischen Wetterverhältnisse ausserdem auch die Pinguine aus Madagaskar nach Herisau gelockt haben: Ein detektives Lagerspiel schärft die Sinne zahlreicher Sherlock Holmes auf der Suche nach den Streichspielern Skipper, Private und Ko(walski), die sich in den Körpern von Lagerkind oder Leiter versteckt haben. Bis jetzt sind die Übeltäter noch nicht gefasst, jedoch ist klar: Sollten die eisigen Luftmassen und damit die schwarz-weissen Vögel bis Donnerstag bleiben, müssen sich die Lagerkids beim prestigeträchtigen Leitermatch nicht nur im wörtlichen Sinne warm anziehen: Die Pinguine könnten auf dem Rasen oder in der Halle für mada-glasklare Verhältnisse sorgen.

So, fertig poesiert, rein in Trainingsblock Nummer Drei in den angemeldeten Sportfächern. Bei den Handballern erinnern die Schlenz-Granaten mittlerweile an Karabatics goldene Ära und die taktischen Spielzüge an Schachspiel-Olympia-Endspiele. Die Ariella Kaeslins von Übermorgen schwingen sich zum letzten Mal durch die Turnhallendecke in den Appenzeller Wolkenhimmel, die Tanzfreudigen schwingen hingegen im Gymnastikraum mit Wände in Spiegellabyrinth-Charakter ihre Hüften und Tanzbeine ein letztes Mal im Vier-Viertel-Takt des «Jerusalemäischen» Lagertanzsongs. Während sich die Leichtathleten in ihrem Trainingsprogramm dem Wetter-Chrüsimüsi anpassen müssen, gliedern sich die Beni-National-Thurnheeren unterdessen als fleischgewordene Ypsilons problemlos ins Natifuger-Alphabet ein, und im Polysport werden beim Burgenvölki Manifeste in die Hallenhälften gezimmert, bei denen die Versailler Schlösser oder auch die Alberswiler «Chastele» wahrlich einpacken können.

Beim tierischen Nachmittags-Spielturnier überzeugen Stinktiere, Papageien, Nasenaffen und Co. beim Matterhorn-Völki mit Bergsteiger-Qualitäten ohnegleichen. Präzise Architektenfinger sind beim Kappla-Hochbau-Wettbewerb gefragt, und beim Keulen-Völki wiederum stellen O-Beine eine eher kontraproduktive Zielscheibe dar.

Nach einem sommerlichen Burger-Festmahl, welches Restauranttester Bumann ohne Frage mit «Gaumen-Traum», «Rachen-Wellness-Massage» oder anderen Superlativen betitelt hätte, geht es für die «Oberstüfeler» in der Chälblihalle in einem Mädchen-gegen-Jungs-Talenten-Battle dem Lärmpegel nach zu urteilen um Leben und Tod. Wir beruhigen – die Lazarett-Türe kann nach Schlachtende unbenutzt wieder geschlossen werden. Parallel backen in der Soldatenstube die Jüngsten passend zum Nachmittagsprogramm tierische Gritibänze in allen Gattungen und Variationen und machen dem Züri Zoo wahrhaft Konkurrenz.

Nun aber ab ins Guschi – morgen steht der obligate Tagesausflug an und da muss nicht nur der Kamera-Akku des 1A-schuhrnalistischen Redackzions-Duos voll aufgeladen sein, um die zartbittersüssen Erinnerungen festhalten zu können. Und damit diese Aufforderung auch alle verstehen, heute mal in der internationalen neo-anglesischen Sprache: Sleep good and dream something sweet!

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Tagesbericht vom Mittwoch, 14.7.2021: Français pour Anfengères!

Le Quatorze juillet – die vierzehnte Julie: Heute fügen wir ein bisschen Schule in die literarischen Prachtszeilen ein. Unsere westlichen Nachbarschaftskollegen feiern die Geburtsstunde der übelzeitigsten Sprachschaftler Westeuropas, die sich heute zum 231. Mal jährt. Anlass genug, um die linguistischen Zungenbrecher des französischen Wortschatzes (le mot-trésor) wieder einmal aufzufrischen. Grundsatz «numéro Öh» für eine korrekte klanglauttechnische Phonetisierung sind die gerümpften Näschen bei den im Hals stecken gebliebenen «en-», «an-» und «in-» Lauten. Für weitere linguistische Kniffs schauen Sie bitte hier – eine Erläuterung der Lippenstellungen zur Optimalisierung des Klangbilds, einfach «frantastique»!

Alors: O-schuur-dwi ist Mittwoch. Ein Mittwoch liegt ja bekanntlich in der Mitte der Woche. Und was findet traditionellerweise jeweils am Mittwoch in der Mitte der Jugilagerwoche statt? Richtig, natürlich der omni-beliebte Tagesausflug: Mit Limonade und Limousine geht’s ins nahegelegene idyllische Flawil zu den weltbekannten «Maestrani» - Meistère de Chocolatiers und gleichzeitig Erfinder der Maestro-Karte im Münzträger (Portmonnaie). Beim Chocolarium-Rundgang zeigt sich eine kaum stillbare «Degustier-Gluscht» bei den Schleckmäulern und Schoggi-Vergötterern. So wird die Fabrique wohl kaum auf schwarze Zahlen in der heutigen Tagesabrechnung kommen, wenn man all die «gstibitzten» Minor- und Munzli-Schöggeli vom Saldo abzieht.

Une grillade de cervelat stärkt die Energiehaushalte und das Selbstvertrauen, sodass die Lagerschar im Anschluss in einem Chorständli der Extraklasse das Mash’sche «Ewigi Liäbi» in polyphoner Chanson-Harmonie ihre Gesangskünste zum Besten geben. Den obligaten Bein-Vertramper-Anteil mit Müd-mach-Nebeneffekt stellt eine aufgerundete eineinhalbstündige 3D-Augmented-Reality-Tour mit digitaler Eichhörnchen- und Kakaobohnen-Suche dar. Nach einer Heimfahrt mit vor Müdigkeit hin- und her-bambelnden Pendel-Köpfen ist noch Foto-Shooting angesagt: Beim Lagerschar-Gruppenfoto werden die 20 weissen Beisserchen wie beim "Herisaus Next Grins-Model" ins Kamera-Blitzlicht gezeigt, sodass sich schon kurze Zeit später die Elmex-, Colgate und Trisa- Werbespotanfragen im nicht vorhandenen Chälblihallen-Briefkasten anhäufen.

Am Abend bewerben sich die Neuleiter mit einer aus Basil Hellers Musikfeder stammende Starballade für die STVW-Lagerschar-Aufnahme und sorgen für emotionale Güggelihäute im Speisesaal. Doch der Jugilarsche Musikantenstadl hat noch nicht Sendeschluss: Im Anschluss zieht das Lagerchörli vom Mittagsständli in ihrer Tournée weiter und begeistert in einer genauso güggelihäutigen Cover-Version von Redaktions-Tastaturklimperer Ray Martins' «It’s Alright» auf der Chälblihallenbühne.

So, für O-schuur-dwi ist ici fini. Wir starten hier und jetzt die mentale Vorbereitung für den morgigen David-gegen-Goliath-Leitermatch und désirez-vous un beau soir (wörtlich: «Die Desiree ist am Abend schön.»)!

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Tagesbericht vom Donnerstag, 15.7.2021: Der Tag aller Tage

Er ist gekommen, der Tag aller Tage, den die ganze Fussballwelt herbeisehnt, der einmal mehr für hochemotionale Blue-Fire-Achterbahnfahrten sorgen soll. Der Klassiker schlechthin steht an: Der Leitermatch steigt in die nächste Runde. Die Lagerkids gegen das grosse, hochfavorisierte FVT-Leitertteam. Pföderis gegen Legionäre. David gegen Goliath. Kein Pokal, aber Ruhm und Ehre und eine über 20-Jahre-Serie der Ungeschlagenheit gilt es aus Sicht der Lagerleitung zu verteidigen. Hoffen wir auf torhungrige Tschutti-Mäuler und den ein oder anderen Passspiel-Lapsus, dann wird dies ein Spektakel sondergleichen. Weiteres fussballerisches Wortgewurstel wollen wir euch hier aber ersparen. Eine ausführliche Zusammenfassung und Matchanalyse inklusive den wichtigsten Pressekonferenz-Aussagen nach Schlusspfiff folgt morgen in einem separaten Bericht. Dennoch: Die Erinnerungen an die vernichtende 10:2-Pleite vor Jahresfrist – dies muss an dieser Stelle fürs guete Gfühl einfach nochmals in die Langzeit-Gehirnzellen hineingebrettert werden – scheint den Davids am heutigen Frühstückstisch kräftig an der Sprachgurgel zu hängen. Doch das Herdplatten-Doktorenteam rund um Chef-Arzt Prof. Dr. med. koch. brat. Troxler hilft in solchen Notfällen mit Erster Hilfe nach Rezept(lehr)buch und findet in den Schoggi- und Erdbeer-Protein-Shakes (heute Morgen frisch ab Chälblihallenchälbli ge-eutert) die richtige Motivationsspritze.

Laktosiert und Vollmilchgedopt kehren die Jungspunde nach eintägiger Pause in die Hallen zurück. Die Gruppen werden heute aber beim Sportfach-Turnus mächtig durchgeschüttelt – die Kids verlassen heute und morgen Vormittag ihr Wohlfühl-Territorium und können frische Schnupperluft in anderen Sportarten inhalieren. Die Luft scheint dann aber bald wieder etwas draussen zu sein. Ein Glück, dass das Ärzte-Oktett erneut zur Stelle ist und mit eingeblätterteigten Wienerlis für Energiespritze Numero Due sorgen. Da haben die Kids sozusagen Schwein gehabt…

Am Nachmittag machen sich die Galileos und Magellans bei der OL-Bildersuche auf Entdeckungstour durch Herisau City. Destinationssicher, ortskundig und kommunikationsfreudig wie ein sprechendes Garmin-Navigationssystem flitzen sie dabei durch die Gassen. Unterwegs in den Teams der zehn besten europäischen Fussball-Eliteclubs, darunter selbstverständlich die bayerischen Süd-Stern-Kameraden genauso vertreten wie der Innerschweizer Cupsieger FCL mit Neuzugang und Ex-Bayer Holger Badstuber.

Und damit ist der (Anspiel-)Kreis wieder geschlossen und wir sind wieder zurück beim Tag aller Tage. Wir sprechen jetzt ein Müller’sches Servus in die Pressemikrofone und verabschieden uns in die Katakomben der Ebneter Dreifachturnhalle. Das mit internationalen Möchtegern-Stars gespickte FVT-Leiterteam setzt nun für die optimale Matchvorbereitung zum wichtigsten Fussballspiel des Jahres den Gotthard-Basistunnel-Blick auf. Dazu passend wie der ins Lattenkreuz gezimmerte FVT-Führungstreffer, wird zur Einstimmung in den Derby-Kracher Bliggs «Legändä & Heldä»-Hymne auf Trommelfell-platz-Pegel durch die JBL-Böxli gedonnert, um den Tunnel-BLIGG noch zu verschärfen.

Leider hat die SRG die notwendigen Übertragungsrechte an den Appenzeller Lokalsender HeriSKY verloren, weshalb das Tschutti-Finale leider nicht an den Hinterländer Farbbild-Kasten übertragen werden kann. Gerne verweisen wir nochmals auf den morgendlichen ausführlichen Matchbericht mit sämtlichen vertextlichten Tor- und Highlight-Szenen. Also, Servus und Hopp Schwiiz!

***

Nach dem Schlusspfiff drei Stunden später steht ein glasklares 8:1 für das konstant-dominante FVT-Leiterteam auf der Anzeige-Tafel. Alle Details und eine zerstörende Matchanalyse folgen morgen im ausführlichen Leitermatchbericht!

IMPRESSIONEN

 

Das Oktakel von Herisau

8:1. Ja, richtig gelesen. 8:1. Was wie eine Verhältnisgleichung von H2O und Lauge für eine Seifenblasenlösung aussieht, ist aber bitterste Leitermatch-Realität. Mit einer Acht-Tore-Machtdemonstration fegt das wie ein losgelassener Torero-Stier unbändige FVT-Leiter-Leader-Team die Jungspunde vom Ebneter Dreifach-Turnhallenplatz. Ein Verdikt so glasklar wie der Panorama-Rundblick auf dem Aussichtspunkt eines Fünftausenders. So glasklar wie von Meister Proper geputzte Fensterscheiben. Und beim Opponenten hängen nach dem Schlusspfiff von Herr Unparteiisch Christoph Chregi Cranz die Köpfe wie bei verdursteten Valentinstagsrosen. Trotz mutigem Mitspiel-Versuch bleiben nach dem Einbahn-Fussballfurioso nur leere Blicke.

So findet die seit 2004 anhaltende Sieges-Serie auch heuer ihre Fortsetzung. Die Schlagzeilen im Schweizer Presse-Urwald sind von zerstörerischen Dimensionen: „FVT-Walze überfährt Kinder-Lückenkonstrukt“ / „Oktakel-Helden bodigen Debakel-Truppe“ / „Wetteralarm: FVT-Sturm auf Tornado-Stufe wütet in Herisau“. Der Eintrag in die Annalen sind aber keineswegs von historischem Ausmass. Vor Jahresfrist verloren die Davids gegen die Goliaths genauso diskussionslos und sang- und klanglos mit 10:2.

Aufgrund der konstant schlechten Laune der Wettergeister konnte der Leitermatch nicht wie gewohnt auf dem durch Platzwart Heri sauber gepflegten Naturrasen in der Ebneter Fussballarena angepfiffen werden, sondern musste wegen Flut-Gefahr in die Dreifachturnhalle verschifft werden. Dass sich diese Begebenheiten durchaus als heikel hätte darstellen können, zeigt ein Rückblick in vergangene Hallen-Endspiele, wo die Entscheidung zugunsten der Altmeister erst im Nervenflatter-Penaltydrama gefallen ist. Dass die Sache deshalb nicht auf die leichte Schulter genommen werden kann, zumal es auch keinen Henkelpott, dafür aber Ruhm und Ehre bis zum Lebensende zu gewinnen oder eben verlieren gibt, zeigt auch ein Motivationsgedicht eines in Willisau gebliebenen FVT-Anhängers, das mit klarer Wortwahl für die poetische Dopingspritze sorgt.

So, genug der komplizierten Worte, rein ins Vergnügen: Keine fünf Zeigerumdrehungen hatte es gebraucht, bis der Dezibel-Sensor bereits in die Höhe jagte und der sauber einstudierte und eingeübte Bowling-Jubel ein erstes Mal zum Besten gegeben wurde. Hauptleiter Jan Peter (Pan) übernahm von Beginn weg Verantwortung und pfefferte beim Freistoss die Kugel unter die Querlatte. Kaum wieder angepfiffen, zimmerte Bruder und Stossstürmer Luca Peter einen Gewaltschuss mit der bananigen Flugkurve eines Boom-erangs in die Maschen. Torjubel Nummer Zwei ist für die am Lago di Herisau ansässigen Zuschauer eine Augenweide: Der Torschütze zückt die imaginäre Angelrute und fischt seine Zitterfisch-Kameraden aus dem Herisee.

Die zwei frühen Gegentreffer entsprachen mitnichten den Matchplänen der Kids. Allerdings lässt sich auch anno 2021 wieder einmal feststellen, dass die ein oder andere in eine Taktik-Schulung und einen Verteidigungs-Crashkurs investierte Minute sicherlich nicht fehl am Platz gewesen wäre. So ist es von Beginn weg Einbahnstrassenfussball, mit ein paar wenigen notwendigen und prachtvollen Interventionen von Star-Goalie Basil „The Wall“ Heller, von dem ein gewisser Manuel Neuer den ein oder anderen Trick abgeschaut hat. Und auch wenn der VAR aus Volketschwyl die dritte FVT-Prachtskiste durch Philipp Marti annulliert, offenbaren die Kids von Beginn weg ihre Mühen in der auf dem Matchblatt so betitelten aber in Wirklichkeit nicht existenten Defensive. Und nur kurze Zeit später klingelt es schon wieder: Luca „Lulu“ Tolusso haut das Runde nach einer Augenweiden-Tiki-Taka-Passstafette ins Eckige. Torwart Pfusi Amrein Junior muss bereits zum dritten Mal die Rückenmuskulatur beim Rausfischen des Balles aus dem Tornetz in Anspruch nehmen und verwirft verständlicherweise die Hände in Richtung Vorderleute. Eine Verteidigungskette ist nicht auszumachen, der Emmentaler Käse beschreibt das Löcherkonstrukt schon eher. Und noch vor dem Pausentee degradiert Redaktions-Tastaturklimperer Ramon Marti-Zenhäusern mit seinem Sahne-Dribbling die Gegner zu Slalomstangen und schiebt das Leder zwischen drei Beinpaaren hindurch zum bereits vorentscheidenden 4:0-Pausenresultat.

Die ersten dreiundzwanzigeinhalb Spielminuten war eine Machtdemonstration sondergleichen. Nach Belieben dominierten die FVTler – hat übrigens nichts mit einer politischen Partei zu tun – das Spielgeschehen, bei den Jungen ist nicht viel im Spiel geschehen. Auch die weiblichen Vertreterinnen wussten im 3:1:2-Sanduhrsystem mit nadelstichpräzisen Tacklings und pfeilbogenschnellen Konter absolut zu überzeugen und trugen dazu bei, dass sich die Anderthalber Welle um Welle über sich ergehen lassen mussten. Des Einen Spektakel ist aber des Andern Debakel. Ein taktisches System war bei den Herausforderern, dessen Durchschnitts-Körpergrösse maximal auf Bauchnabelhöhe der Profikicker anzusiedeln ist, beim besten Willen nicht auszumachen. Das Free-Style-Schema wirkte ähnlich orientierungslos wie etwa ein magnetloser Kompass oder Schlitzaugen-Paparazzi-Touristen ohne Navigationssystem.

Durchgang Zwei setzte nahtlos wie ein selbstgeschneidertes Hochzeitskleid an die Glanzvorstellung vor dem Halbzeitkaffee an. Ungefähr dreieinhalb Augenblinzler vergingen bis zum zweiten Treffer von Ex-Internationale Luca Haris Peterovic, dem Mann aus der Grundmühle. Wie aus dem Nichts kommt die Kids-Truppe schliesslich zum Anschlusstreffer in persona von Leo Messi Riechsteiner, der das Spielgerät nach lehrbuchmässigem Barça-Kombinationsspiel unhaltbar in die rechte obere Torecke drescht. Erneut explodiert die Dezibel-Anzeige, der Herisauer Hexenkessel brodelt. Doch der zwischenzeitliche Lichtblick war eher von der Dauer eines Autobahn-Blitzers als von einer Strassenlaterne. Mann des Abends Luca Peterovic schnürt den Dreierpack zum 6:1 sorgt kurz vor Ende des „Oktakels von Herisau“ per Zlatan’sche Direktabnahme nach Bilderbuch-50-Meter-Pass von Sandro Aregger für den 8:1-Endstand. Dazwischen traf mit Chiara Kneubühler auch noch eine Neuleiterin beim Leitermatch-Einstand. Und das niederschmetternde Resultat hätte durchaus auch zweistellig ausfallen können, hatte die gegnerische Torlatte zusätzlich bei zwei Peter’schen und Marti’schen Aluminiumknallern in Erdbebenstärke 8,5 vibriert. Da wäre der Schlussmann, der im Laufe der Partie mehrmals gewechselt wurde, da einer nach dem anderen mit der Zeit Ohrendruck wegen ständigem Bücken und Ball-aus-dem-Netz-Fischen zu beklagen hatte, ebenfalls auf verlorenem P(f)osten gestanden.

So stand nach Schlusspfiff einmal mehr ein sonnenklarer, destruktiver und schonungsloser Spektakel-Sieg für das FVT-Leiterteam fest. Einmal mehr haben sie sich wieder für den konstanten Aufwand belohnt und dabei bewiesen, dass der zwischen dem Leiter- und Kids-Niveau corona-standardisierten 1,5-Meter-Sicherheitsabstand auch in solch wichtigen Angelegenheiten eingehalten wird. Die internationalen Anfragen werden sich nun im Sommer-Transferfenster nach dem gestiegenen Marktwert mit sicherer Sicherheit wieder anhäufen. Der Stern in der Hall of Fame, er wurde auch im Jugilager 2021 wieder an den FVT-Fussballhimmel gepflastert.


Leiterteam - Lagerkids 8:1 (4:0), WM 3-Hallen-Stadion Ebnet. – BAG-konforme Zuschauer. – SR Cranz. – Tore: 1:0 Jan Peter 2:0 Luca Peter 3:0 Luca Tolusso 4:0 Ramon Marti 5:0 Luca Peter 5:1 Leo Riechsteiner 6:1 Luca Peter 7:1 Chiara Kneubühler 8:1 Luca Peter.

 

Tagesbericht vom Freitag, 16.07.2021: Olympische Ananas-Ringe und eine Uslumpete 2.0

Als besonders interessant an einem Jugilagerfreitag wird ohnehin der Bunte Abend mit seinen Unterhaltungsprogrammen, der Lagerdisco und dem sehnsüchtig erwarteten Lawinentanz genannt. Daher beschränkt sich die heutige Berichterstattung zu grossen Teilen auf den wichtigsten Teil des Tages.

Beginnen tun wir den Tag aber wie immer: mit dem Morgen. Ein letztes Mal geht es in die Sportfächer, erneut werden dabei die Namenslisten kräftig rotiert und «zunderobsi» gemacht. Nach dem mittägigen in der Mitte des Tages eingemitteten Mittags-Fajitas-Schmaus geht es nach dem Mittag im Nachmittagsprogramm in die Olympischen Nationaldress: Beim «Tokyo 2020»-Super-Neunkampf müssen sie beim Matten-Weit-Lauf mit den Matten weit laufen und beim Hochsprung in neue sphärische Höhen springen. Die Olympia-Ringe werden dann in Form von Tomatenscheiben und Ananas-Reifen auf einem hawaiianischen Schinken-Käse-Toast von den Kinderkehlen gaum-wandlerisch verschluckt.

Anschliessend kommen nun die Highlights des Tages. Und damit dem Bunten Abend auch alle Ehre gemacht wird, kommt die kunterbunte Lagerschar in farbenfrohen Kostümen und Fasnachtsutensilien daher geschritten. Eingetroffen und hingesetzt im zu einem Grossleinwand-Kino umfunktionierten Mensasaal, beginnt der letzte Lagerabend mit einem knapp zwanzigminütigen Lagerrückblick-Video, zusammengeschnitten vom gestrigen Leitermatch-MVP beim 8:1-Kantersieg Luca Peter. Nach den abgenastuchten Kullertränen wird das ganzwöchige Pinguinspiel von den 107 Spürnasen, angeführt von Stardetektiv Sherlock Holmes (der das Pinguin’sche Geschehen mit seiner unmöglich zu enttarnenden Zeitungs-Guckloch-Brille die ganze Woche über im Überblick behalten hat). Die vier Antarktis-Einschleuser können am Ende mit einer noch verbesserungswürdigen 50-Prozentquote wieder in die Südpol-Eisschollen zurückgeflogen werden. Die anderen zwei Schwarz-weiss-Watschler haben sich erfolgreich an die Jugilagerarischen Verhaltensweisen angepasst und sind von den Spürnasen ungerochen davongekommen.

Es folgt ein kurzes Leiter-Kinder-Spassspieleduell, bei dem die Kids die Chance erhalten, sich nach der gestrigen immer noch tiefsitzenden Tschutti-Blamage heute ein wenig zu rehabilitieren. Und tatsächlich: Die Jungspunde wissen in einer Iss-den-Schokokuss-ohne-deine-Hände-zu-benutzen-Challenge, einem Rundfunk-Buschtelefon und einer Zeichnungsrunde mehr zu überzeugen als die wohl nicht mehr ganz auf dem Höhepunkt ihres Energielevels aufspielenden Lagerleiter.

Als stimmungsmachenden Einstieg in den musikalischen Party-Abend hören wir anschliessend sozusagen eine live-performte Vier-Lieder-Disco mit den drei Stimmband-Schwingern Basil Heller, Ramon Marti und Seraina Schrag. Die Spotify-Party-Playlist sorgt anschliessend für tanzende Beine, geschwungene Hüften und bebenden Massen-Choreografien. Einsatz und Stimmung stimmt, an den adretten und graziösen Tanzschritt-Elementen könnte bei Gelegenheit durchaus noch ein wenig gefeilt werden. Allerdings machen die farbenfrohen Fasnachtsperücken leichte Tanzschritt-Unsicherheiten wett – es erinnert ein wenig an eine Uslumpete am Ende der fünften Jahreszeit.

Nach der Bilderbuch-Disco geht es für die Unterstüfler in ihre süssen Traumwelten. Für die etwas ältere Generation steht nach einer kurzen Frischmach-, Zähneputz- und Einparfümier-Pause der von allen langersehnte Lawinentanz auf dem dahinschmelzenden Abendprogramm. Angefangen hat der Tanz der romantischen Zweisamkeit – man glaubt es kaum – mit dem Herz-Schmelz-Song der Skorpionen «Wind of Change». Für einmal wurde entgegen jahrelanger Tradition aber die Endlos-Schlaufen-Taste nicht aktiviert. Stattdessen hat die Oberstufen-Tanzgesellschaft auch mal andere Herz-Schmelz-Songs kennenlernen dürfen… denn ja, es gibt tatsächlich noch andere Liebeshymnen, zu deren 3/4tel- oder 6/8tel Takt es sich hervorragend tanzen lässt. So dürfen sich heute auch mal Gesangskünstler wie Ed Sheeran, Robbie Williams oder Calum Scott vor dem romantisierten Hin- und Her-Schaukel-Publikum beweisen. Das mehr als waghalsige Experiment erwies sich letzten Endes aber als willkommen, wenn man die Tanzbereitschaft der (Tanz-)Päärchen als Bewertungsmassstab dafür nimmt: Wie es im Tanz-Lehrbuch steht, kann sich durch die Lücken zwischen den zwei Bäuchen nicht einmal mehr eine verliebte Eintagsfliege hindurch manövrieren. Und als ultimatives Highlight gibt Rüebli-Schnetzler und Pulled-Pork-Anbrater B(r)asil Heller mit einer berührenden Cover-Version mit Akkustik-Gitarrenseiten und seinen Stimmbändern ein zauberhaftes Ständli, das das i-Pünktchen auf dem dahinschmelzenden Lawinentanzabend bildet.

IMPRESSIONEN

 

Tagesbericht vom Samstag, 17.7.2021: Zurück im Luzerner Hinterland

Am heutigen Abreisesamstag aus dem Appenzöllerischen Herisau steht am Vormittag nur noch das Kofferpacken und ein von oben bis unten durchstrukturiertes «Useruume» und «Glänzigputze» der Heimfahrt im Weg. Als bei der hauseigenen Kleiderbörse die letzten Sockenpaare und Frottétücher wieder ihren rechtmässigen Besitzer gefunden haben, können die drei Eurobusse die zweistündige Rückfahrt in Angriff nehmen.

Sozusagen pünktlich trifft der Car-Convoi um 12:45 Uhr auf dem Kanti-Parkplatzareal ein. Bevor die Kids jedoch ihren häuslichen Matratzen überlassen werden, singt die Lagerschar vor all den Mami’s und Papi’s noch ein Lagersong-Ständli: Die «Los goht’s»-Cover-Version aus der Textfeder von Küchenmitglied Basil Heller nach der Grundharmonie von Kunz’ «Schwedinne» soll noch ein letztes Mal aus den etwas heiseren Kehlen geschrien werden.

Somit verabschiedet sich die diesjährige Jugilager-Starredaktion mit Nora Schnappschuss-Blitzerin Meyer und Ramon Tastaturklimperer Marti im Namen der gesamten Jugilager-Crew und wünscht der ganzen Turnerfamilie einen schönen und sportlichen Sommer.

Da gibt’s nur noch etwas zu erwähnen:

Das nächste Jugilager findet vom 09.-16. Juli 2022 in Bad Ragaz statt.

Heisst also: Agenda zücken und Datum bereits reservieren!

So, nun aber Ende Gelände, Ade merci und bliibed gsond!

IMPRESSIONEN