Aktuell

Freitag, 16. Juli 2021

Tagesbericht vom Freitag, 16.07.2021: Olympische Ananas-Ringe und eine Uslumpete 2.0

Als besonders interessant an einem Jugilagerfreitag wird ohnehin der Bunte Abend mit seinen Unterhaltungsprogrammen, der Lagerdisco und dem sehnsüchtig erwarteten Lawinentanz genannt. Daher beschränkt sich die heutige Berichterstattung zu grossen Teilen auf den wichtigsten Teil des Tages.

Beginnen tun wir den Tag aber wie immer: mit dem Morgen. Ein letztes Mal geht es in die Sportfächer, erneut werden dabei die Namenslisten kräftig rotiert und «zunderobsi» gemacht. Nach dem mittägigen in der Mitte des Tages eingemitteten Mittags-Fajitas-Schmaus geht es nach dem Mittag im Nachmittagsprogramm in die Olympischen Nationaldress: Beim «Tokyo 2020»-Super-Neunkampf müssen sie beim Matten-Weit-Lauf mit den Matten weit laufen und beim Hochsprung in neue sphärische Höhen springen. Die Olympia-Ringe werden dann in Form von Tomatenscheiben und Ananas-Reifen auf einem hawaiianischen Schinken-Käse-Toast von den Kinderkehlen gaum-wandlerisch verschluckt.

Anschliessend kommen nun die Highlights des Tages. Und damit dem Bunten Abend auch alle Ehre gemacht wird, kommt die kunterbunte Lagerschar in farbenfrohen Kostümen und Fasnachtsutensilien daher geschritten. Eingetroffen und hingesetzt im zu einem Grossleinwand-Kino umfunktionierten Mensasaal, beginnt der letzte Lagerabend mit einem knapp zwanzigminütigen Lagerrückblick-Video, zusammengeschnitten vom gestrigen Leitermatch-MVP beim 8:1-Kantersieg Luca Peter. Nach den abgenastuchten Kullertränen wird das ganzwöchige Pinguinspiel von den 107 Spürnasen, angeführt von Stardetektiv Sherlock Holmes (der das Pinguin’sche Geschehen mit seiner unmöglich zu enttarnenden Zeitungs-Guckloch-Brille die ganze Woche über im Überblick behalten hat). Die vier Antarktis-Einschleuser können am Ende mit einer noch verbesserungswürdigen 50-Prozentquote wieder in die Südpol-Eisschollen zurückgeflogen werden. Die anderen zwei Schwarz-weiss-Watschler haben sich erfolgreich an die Jugilagerarischen Verhaltensweisen angepasst und sind von den Spürnasen ungerochen davongekommen.

Es folgt ein kurzes Leiter-Kinder-Spassspieleduell, bei dem die Kids die Chance erhalten, sich nach der gestrigen immer noch tiefsitzenden Tschutti-Blamage heute ein wenig zu rehabilitieren. Und tatsächlich: Die Jungspunde wissen in einer Iss-den-Schokokuss-ohne-deine-Hände-zu-benutzen-Challenge, einem Rundfunk-Buschtelefon und einer Zeichnungsrunde mehr zu überzeugen als die wohl nicht mehr ganz auf dem Höhepunkt ihres Energielevels aufspielenden Lagerleiter.

Als stimmungsmachenden Einstieg in den musikalischen Party-Abend hören wir anschliessend sozusagen eine live-performte Vier-Lieder-Disco mit den drei Stimmband-Schwingern Basil Heller, Ramon Marti und Seraina Schrag. Die Spotify-Party-Playlist sorgt anschliessend für tanzende Beine, geschwungene Hüften und bebenden Massen-Choreografien. Einsatz und Stimmung stimmt, an den adretten und graziösen Tanzschritt-Elementen könnte bei Gelegenheit durchaus noch ein wenig gefeilt werden. Allerdings machen die farbenfrohen Fasnachtsperücken leichte Tanzschritt-Unsicherheiten wett – es erinnert ein wenig an eine Uslumpete am Ende der fünften Jahreszeit.

Nach der Bilderbuch-Disco geht es für die Unterstüfler in ihre süssen Traumwelten. Für die etwas ältere Generation steht nach einer kurzen Frischmach-, Zähneputz- und Einparfümier-Pause der von allen langersehnte Lawinentanz auf dem dahinschmelzenden Abendprogramm. Angefangen hat der Tanz der romantischen Zweisamkeit – man glaubt es kaum – mit dem Herz-Schmelz-Song der Skorpionen «Wind of Change». Für einmal wurde entgegen jahrelanger Tradition aber die Endlos-Schlaufen-Taste nicht aktiviert. Stattdessen hat die Oberstufen-Tanzgesellschaft auch mal andere Herz-Schmelz-Songs kennenlernen dürfen… denn ja, es gibt tatsächlich noch andere Liebeshymnen, zu deren 3/4tel- oder 6/8tel Takt es sich hervorragend tanzen lässt. So dürfen sich heute auch mal Gesangskünstler wie Ed Sheeran, Robbie Williams oder Calum Scott vor dem romantisierten Hin- und Her-Schaukel-Publikum beweisen. Das mehr als waghalsige Experiment erwies sich letzten Endes aber als willkommen, wenn man die Tanzbereitschaft der (Tanz-)Päärchen als Bewertungsmassstab dafür nimmt: Wie es im Tanz-Lehrbuch steht, kann sich durch die Lücken zwischen den zwei Bäuchen nicht einmal mehr eine verliebte Eintagsfliege hindurch manövrieren. Und als ultimatives Highlight gibt Rüebli-Schnetzler und Pulled-Pork-Anbrater B(r)asil Heller mit einer berührenden Cover-Version mit Akkustik-Gitarrenseiten und seinen Stimmbändern ein zauberhaftes Ständli, das das i-Pünktchen auf dem dahinschmelzenden Lawinentanzabend bildet.

IMPRESSIONEN