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Mittwoch, 13. Juli 2022

Tagesbericht vom Mittwoch, 13.7.2022: Von badenden Sixpacks und fremden Lagerinsassen

Moin Hinterländer! Der Mitte-Woche-Tag ist unter normalen Umständen traditionellerweise jeweils der Tag für die Wanderschuhe und gerucksackten «Lönsch-Päckli». Da mittlerweile sogar im Innern der Lagerfestung Savannenklima herrscht – von den Outdoor-Steppengebieten in (Dampf-)Bad Ragaz ganz zu schweigen – wurde der Tagesausflug aber bekanntlich bereits vor zwei Schnarchelnächten ad acta gelegt.

Deshalb ist heute Trainingsmorgen zum Dritten angesagt: Mittlerweile haben sogar im Korbball auch die Kleinsten das Arnold-the-Terminator-Spiel begriffen und ohne mit der gestrählten Wimper zu zucken den Einsatz des redaktionellen Gastspielers vorzeitig terminiert. Er sollte sich wohl lieber wieder seinem 25-Zoll-Bildschirm und dem Zehnfingersystem widmen. Die Natifuger geben mit ihrer Frei-Übung ihre – ja, tatsächlich auch vorhandene – Eleganz zum Besten und stehen den geräteturnerischen Bodenhöipörzelerinnen in nullkommanichts nach. Dass Letztere allerdings weit mehr sind als staubfangende Bodenrollen, beweisen sie eindrücklich mit ihren pfeilbogengespannten Sturzhängen und schwindelerregenden Dreifachsalti. Die Polysportler zeigen beim Burgenvölki ihre zimmermännischen und -frauischen (heutzutage ist es ratsam, stets auf Gender-Neutralität:innen zu achten) Fingerfertigkeiten. Die Mujingas und Kariems sind mittlerweile in die eigenständige professionelle Trainingsplanung übergegangen, und die Andys haben inzwischen weitere Löcher ins Handballtornetz gepfeffert.

Nachdem die Teller mit den frühmorgens frisch aus den Schweizer Voralpen gepflückten Älplermagronen leergeschleckt worden sind, geht’s an die Montierung der Spongebob-Badehosen und Streifen-Bikinis. Diese sollen im kühlen Badiwasser auch einmal gründlich durchgewaschen werden – bei den Einen freiwillig rutschend, den Anderen widerwillig fliegend. Für die stets geforderte Unterhaltung ist dank der Wellenrutsche – die ihrem «gschlifrigen» Namen alle Ehre macht, wie auch eine eigentlich zur Aufsicht mahnende Leiterin ebenfalls feststellen musste – bestens gesorgt. Und neben den Beachvolleyfeldern feilen Klein und Kleiner an ihrer Salami-Taktik ihres Leitermatchauftritts von morgen Abend. Und abseits der Kraul- und Delfin-Linien werden die gesonnencremten Sixpacks an der Nachmittagssonne passend zum abendlichen Barbeque bratwurstbraun gegrillt. Den Grilluelis scheint es in Bad Ragaz zu gefallen, übertreffen sie doch ihre Tsch-Tsch-Künste von Tag zu Tag.

Nebst dem konstanten Thermometeranstieg, den immer schmaler werdenden Augenlideröffnungen und den aufgrund des südlichen Klimas von Tag zu Tag kürzeren Trainingshosen wird ein weiterer Trend fortgesetzt: Heute dürfen gleich sechs Hinterland-Touristen angekündigt werden. Nebst der Kjaer-Familie von Lagerküchenroutinierin «Ele» haben auch Fotomodell Gian Wyss und die beiden Willisauer Sprintaushängeschilder Mischi und Chanti Scherrer den Privathelikopter ins Heidiland spediert. Und à propos zusätzliche Lagernasen: Aufs abendliche Gruppenfotoshooting hat es auch die Petra Sturzenegger geschafft – eindrücklich nachzuhören im ohrenschmalz-vibrierenden Meitschichorkonzert auf dem Instagrammkanal des zweitgrössten Schweizer Vereins! Während das Grinsen der Einen einen sonnengebräunten und UVA-geröteten Wellenkarton auf die Wangen projiziert, verrät das genauere Betrachten des Knipsresultats die nicht ganz so fleissigen Zähnebürstenden einwandfrei.

Da die beiden Blinzler und Zwinker vieler Kids bereits von unten zufallen, wird – eher zum Missfallen des Einen oder Anderen – für einmal die Nachtruhe zeitlich vorverschoben. Die Ausnahmeregel hat aber ohne Widerrede seine Berechtigung, bedenkt man die nächtlichen Kafichränzlis und Toilettenwanderungen (die bei weiblichen Kloschüsselbesucherinnen unmöglich weniger als zu Dritt in Angriff genommen werden können) und die tags darauf wandelnden Siebenschläfer. Und da ironischerweise mittlerweile auch die Leistung meines Laptops auf Stromsparmodus gestellt hat, geht’s nun – um der technologischen Analogie weiter Folge zu leisten – ans kollektive Herunterfahren und Akkuladens.

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